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Kommando Himmelfahrt ist eine 2008 vom Hamburger Komponisten Jan Dvorak und vom Berliner Regisseur Thomas Fiedler initiierte Gruppe, die sich mit Grenzbereichen politischer und wissenschaftlicher Utopien beschäftigt. Seit 2013 gehört Julia Warnemünde als Produktionsleiterin und Dramaturgin fest mit zum Team. In ihrem großformatigen Popmusiktheater verbinden sie Musiktheater, Performance und Konzert zu Theater­kompositionen, deren Texte und Musik sie selber entwickeln. Zeitgenössisch-avantgardistische Kompo­sitions- und Darstellungs­formen treffen dabei mit Showelementen und Songs zusammen, Bandmusik be­geg­net klassischen Chor- und Orchesterelementen, Lecture­-Performance trifft auf stummfilmhaft choreographiertes Theater und Revue. Inhaltlich beschäftigt sich Kommando Himmelfahrt mit Zukunftsvisionen und Mythen, untersucht ihr Potenzial und projiziert sie zurück auf die Gegenwart.

Im Herbst 2008 fand die Uraufführung von „Hamburg Requiem – Es Gibt Kein Firmament Mehr“ auf Kampnagel statt, in der musikalische Montagetechniken mit heterogenen Klangkörpern untersucht wurden. 2009 zeigte Kommando Himmelfahrt eine musikalische Seance mit Giacinto Scelsis „Canti del Capricorno“ und im Herbst des gleichen Jahres im Berliner Hebbel-Theater (HAU 1) eine radiophone Theatershow mit dem Titel „The Himmelfahrt Radio Show“. Im Oktober 2010 feierte ihre Fassung von Saties Kammeroper „Socrate“ unter dem Titel „Dunkle Mädchen & Music Hall präsentieren Socrate von Erik Satie“ auf Kampnagel Premiere. 2011 wurde die Pop-Oper „20.000 Meilen unter dem Meer“ nach Jules Vernes uraufgeführt und im Februar 2012 wurde im Musiktheater für Massenchor „Leviathan – oder Stoff, Form und Gewalt eines Staates“ die Staatstheorie von Thomas Hobbes untersucht. 2013 beschäftigte sich Kommando Himmelfahrt mit „Utopia“ in Form von inszenierten Dreharbeiten zu einer Verfilmung von Morus’ Roman als Musicalfilm. 2014 gründete die Gruppe den “Kampnagel-Chor” mit mittlerweile etwa 200 Mitgliedern. Erste Produktionen mit Teilen des Chores waren “Paradise Lost” nach John Milton, als Reise durch die Urgeschichte der Rebellion und im Dezember 2014 das große Musiktheater “Die Speisung der 5000” über das Leben im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit, wofür sie den Rolf-Mares-Preis der Hamburger Theater verliehen bekamen. Im April 2016 eröffneten sie mit „Geisterbahn“ eine posthumanistische Musiktheaterinstallation nach dem französischen Radikalaufklärer Julien Offray de La Mettrie. Der Soundtrack zu diesem Laufgeschäft ist unter dem Titel „Der Mensch als Pflanze“ beim Berliner Label Hook-Music erschienen. Kommando Himmelfahrt ist nominiert für den George-Tabori-Preis 2016. 2017 erarbeiteten sie für das Nationaltheater Mannheim eine filmische Rekonstruktion der verschollenen Film-Revue “Wie werde ich reich und glücklich?” von Mischa Spoliansky auf der Opernbühne und gründeten mit der Opern Wuppertal den “Bund der Utopisten”.